Footprints

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Sonntag, 3. Juli 2016

Catch 22

Eine Geschichte zum Schmunzeln?

Was ist denn ein "Catch 22"? Eigentlich ein 1961 erschienener Roman über die Absurdität des Krieges, aber auch ein englischer Ausdruck für ein Dilemma.

Und ein solcher Catch 22 quälte uns die letzten Tage... Es dauerte ungefähr 30 Tage, bis Joel nach der Geburt im zentralen Geburtenregister eingetragen war. Just in dieser Zeit sind unsere Touristenvisa abgelaufen (Gültigkeit jeweils 90 Tage). Unsere Visa konnten wir in der Zwischenzeit nicht erneuern (mittels Aus- und wieder Einreisen), da der kleine Joel noch keinen Pass hatte. Also haben wir so schnell es ging einen Pass für Joel beantragt.

Jetzt kommts:

Einen Pass für Joel beantragen kann man nur, wenn die Eltern gültige Aufenthaltspapiere haben. Damit wir aber gültige Aufenthaltspapiere haben können, müssen wir das Land verlassen und wieder einreisen - was aber nicht ging, weil Joel keinen Pass hatte...


Ay Caramba! Wir haben uns dann trotzdem einen Termin bei der Passbehörde geben lassen und Gott sei Dank hat die nette Dame (Maritza) lieber mit uns über unsere Arbeit mit Indigenen geplaudert (sie selbst engagiert sich in der Suchtprävention und Therapie mit Indigenen) als akribisch genau unsere Pässe zu durchforschen und die Datumsstempel zu kontrollieren. Und schon bald werden wir Joels Pass in den Händen halten und uns ab seinem ersten Passfoto freuen!
 Joel sei Dank durften wir in die kurze Schlange "sitzen": Immer wenn der vorderste Stuhl frei wurde, rutschten alle hinten dran nach :-)
Auf dem Schild steht: Ihr seid unsere besonderen Gründe, deshalb ist es uns eine Freude euch zu bedienen!

Dann sind wir ready für eine

Erneute Ausreise

Leider... Was haben wir unsere Ausreisen damals, als Kurzzeiter geliebt: Abenteuer, Kurzferien, neue Impulse!
Jetzt als Eltern von zwei kleinen Kindern finden wir das ETWAS weniger prickelnd.
Da wir mit abgelaufenen Visa keine Aufenthaltsbewilligung beantragen können, bleibt uns nichts anderes übrig als so schnell wie möglich das Land für 72 Stunden zu verlassen. Ob wir bei der Ausreise wohl auch Glück haben und uns die Zollbehörde trotz überzogenem Visa einfach so gehen lässt?

Wir lassen es euch wissen!

Eine besondere Ehre

Natürlich vermissen wir unsere Familien und Freunde. Unsere Gotti- & Göttikinder Fiona, Aaron, Luki und Noah fehlen uns auch muuucho und wir fühlen uns trotz modernen Kommunikationsmöglichkeiten manchmal etwas "zu fern" um unseren Paten-Pflichten (und Patenfreuden!) nachzukommen. Auch wir werden vermisst - und Küsu wurde sogar eine ganz besondere Ehre zu teil: Seine Unterschrift auf Fionas Zahnspange :-) Wer kann das schon von sich behaupten?

prominent gegenüber von den Minions

 Unsichtbar in montiertem Zustand - und doch immer da. Und was für ein hübsches Lächeln!

Fussbälle der deutschen Botschaft

Die deutsche Botschaft in San José hat kürzlich einen Wettbewerb gestartet: Wer ein Bild von seinem Fussballteam einreichte und nach der Veröffentlichung auf Facebook die meisten "gefällt-mir" (oder heisst es "gefällt-mirs" weil Mehrzahl?) erzielte, wurde mit Fussbällen unterstützt.
Unser CAPI-Team hatte absolut keine Chance! Aber irgendjemand aus einem anderen Team wurde vom Ehrgeiz derartig übermannt, dass er über 6000 "gefällt-mir" gekauft hat (die meisten Likes kamen aus Asien), was die deutsche Botschaft etwas in Verlegenheit gebracht hat...
So haben schlussendlich fast alle Teams Fussbälle erhalten und auf der Finca wird nun mit hochqualitativen Bällen gespielt (durchschnittliche bisherige Lebensdauer eines Fussball: zwei Wochen)

Danke, deutsche Botschaft!

Das Ende naht

Am 12. August endet das reguläre Trimester an der Sprachschule. Wir werden dann an der gleichen Sprachschule noch 8 Wochen Unterricht haben (ein halbes Trimester, quasi), und dann Anfang November auf die Finca ziehen.
 Wir konnten günstig einen gebrauchten Zwillingswagen mit grossen Rädern (somit Costa Rica tauglich) ergattern.
Die beiden schauen doch ganz zufrieden aus, oder?

Übrigens

In Costa Rica spielt sich eine traurige Tragödie ab: Hunderte afrikanische (richtig gelesen, afrikanische!)  und asiatische Flüchtlinge sind im Land gestrandet (wobei die Regierung vermutet, dass sich auch viele Personen aus Haiti als Kongolesen ausgeben). Die meisten Flüchtlinge gelangen via Boot oder Flugzeug nach Brasilien und machen sich dann auf den Weg in Richtung USA. Nicaragua verwehrt ihnen seit einigen Wochen die Einreise und so hängen alle in Costa Rica fest. Auch tragische Menschen-Schmuggler-Geschichten spielen sich hier ab (die Zeitungen berichteteten über angekettete Menschen!). Ob davon in Europa etwas zu hören ist? Via Google sind mindestens ein paar rudimentäre Infos zu bekommen.

 Infografik "Woher kommen die Flüchtlinge" aus der Zeitung (www.nacion.com)
Im Süden, genauer in der Grenzstadt Paso Canoas sowie im nahen Golfito hat die Regierung Lagerhallen zu Unterkünften umfunktioniert. Im Norden, bei Peñas Blancas an der Grenze zu Nicaragua sieht das ganze etwas anders aus - erinnert etwas an das Flüchtlingscamp bei Idomeni, Griechenland...

Ihr seht, auch ein Land mit paradiesisch schöner Natur ist von Tragödien nicht befreit und da sich die Grenzen in Europa zusehends schliessen, ändern sich die Flüchtlingsrouten..

Trotz alledem: Wir wünschen euch von Herzen einen schönen Sommer!

Annalena & Küsu mit Ronja & Joel

Familienbild vom Juli 2016 - aufgenommen im Wohnzimmer und in den Urwald montiert :-)

Samstag, 14. Mai 2016

Neues Leben, neuer Rundbrief, neues Wetter, neues Trimester

Dieser Blog ist anders, weil er erstens muuuucho persönlich ist (die Fotos vor allem) und weil erst Text kommt und dann die besagten persönlichen Fotos. Wie immer freuen wir uns über Rückmeldungen zu unserem Blog!

Alles neu, macht der Mai

 

Naja, auch die letzten Tage des Monats April...
Am Mittwochmorgen, dem 27. April 2016, um 06:15 durften wir unseren Sohn Joel Andreas willkommen heissen! Schlussendlich wurde er mittels Kaiserschnitt geboren, da die Nabelschnur um seine Beinchen, den Bauch und ein Ärmchen geschlungen war. Bei jeder Wehe wurde die Nabelschnur gequetscht und der Puls fiel zusammen. Mein Job während des Kaiserschnitts war die detaillierte Beschreibung, was die Ärzte gerade machen - Annalena war hier sehr interessiert!

--> Mehr zur Geburt von Joel steht in unserem brandneuen Rundbrief,  den du hier herunterladen kannst:

Nach etwa 30 Stunden wurde Annalena aus dem Spital entlassen und in die Obhut von Kranken-pfleger Küsu übergeben. Ganz ganz ganz schlecht war, dass Küsu das eine oder andere Witzchen entwich... Und Lachen war ganz und gar nicht gut für die frische Naht des Kaiserschnitts! Der Antrag auf Valium für Küsu wurde jedoch abgelehnt.

Ronja übrigens liebt ihren kleinen Bruder über alles und zeigt manchmal zärtlich, manchmal rabiat ihre Zuneigung. Sie fragt ständig nach ihrem "Oel" und findet sich bis jetzt mit der Konkurrenz um die Aufmerksamkeit meist ganz gut zurecht.

Die ersten zwei Stunden seines Lebens ausserhalb der Gebärmutter verbrachte Joel auf Papas nackter Brust. Die für uns zuständige Hebamme war etwas im Stress, weil wir zusätzlich zu den 7 (!) geplanten Kaiserschnitten den Operationssaal belegten. Kurz nach der Geburt packte sie mich, zerriss mir mein "OP-Shirt" (eben für Joel) - doch dann kam ihr in den Sinn, dass ich ja erst noch das Stockwerk wechseln musste... Das wahr wohl ein lustiger Anblick, ein müder, blonder "Gringo", mit zerrissenem Shirt, Blick frei auf alles was da ist, der durchs Krankenhaus hetzt.
War wohl nicht nur für Küsu speziell.

Am Abend der Geburt genossen Ronja und Küsu zuhause ein Candle-Light-Dinner, ist doch der Transformator für unsere Häuserzeile explodiert und wir hatten keinen Strom... War irgendwie weihnachtlich. Nur die Schatten der herumhuschenden Kakerlaken trübten die Stimmung ein klitzekleines bisschen. Die Tierchen fliehen ins Haus wenns stark regnet.

Neues Wetter


Hier hat nun doch die Regenzeit begonnen. Für uns in der Hauptstadt bedeutet dies teils heftiger Regen, vor allem nachmittags und nachts. Das bringt auch andere Phänomene mit sich: Kollabierenden Verkehr, Stromausfälle (weil die Vogelnester auf den Transformatoren dann einen Kurzschluss verursachen), angenehme Abkühlung und ins Trockene fliehende Viecher.

Neues Trimester

 

 Das neue Trimester hat begonnen - für Küsu ganz normal in der Klasse, für Annalena bereits mit Tutoring, einer Art Einzelunterricht, um in zwei weiteren Wochen dann nahtlos wieder in unsere Klasse einsteigen konnte.

Besuch!

 

Da mit unserem Wegzug aus der Schweiz und der Geburt von Joel nun die einzigen beiden Grosskinder der Konstanzer Grosseltern nicht in unmittelbarer Reichweite sind, durften wir Anfang Mai Bärbel und Andreas Haller bei uns willkommen heissen. Ganz herzlichen Dank für eure Unterstützung & Entlastung!

 

Und endlich startet die Foto-Story! 

 

 Plötzlich ging es unerwartet schnell. Kurz umziehen, Selfie-Time und schon gehts los
Hier ist er schon, unser "Büebu"! Die Fotos hat übrigens der (deutsch sprechende!) Anästhesist gemacht
Vati Küsu durfte dann die Nabelschnur durchtrennen. Die dunkle Schönheit ist übrigens die beschriebene Hebamme
Annalena kann den Nabelschnitt auf einem Bildschirm mitverfolgen
Der erste Kuss von Mami!
Hier schon etwas später im Spital, die grosse Schwester begrüsst den kleinen Bruder!
Kurze Verlustangst-Session
Bei unseren Nachbarn durfte Ronja unterkommen, während wir im Krankenhaus waren
 Hallo Joel Andreas (genau, die Vornamen der Grossväter)
 ohne Worte
 Noch einmal das Stillkissen in Beschlag nehmen
 ♥
 Regenzeit! Was für ein Spass für Kinder, was für ein Wäsche-Mehraufwand für Eltern!
 Ronja geniesst ihre Grosseltern - und umgekehrt
 Spielplatzabenteuer
 Mit Oma und Opa im Kindermuseum, hier ein Astronaut
 und hier ein frisch geschlüpfter Dinosaurier - groooooooaaaarrrrrr
 Mit Opa, Vati & Kattia auf dem Weg zu einem Gipfelkreuz auf über 2000müM
Oben angekommen, brauchts erst mal ausgiebig Gymnastik!


Am Donnerstag roch die ganze Stadt leicht nach Asche (etwa so, wie wenn es nachts auf ein heruntergebranntes Jungschi Rynech Lagerfeuer geregnet hat, die Glut im Innern die nasse Asche aber noch immer kräftig erhitzt). Grund war eine Eruption des Vulkans Turrialba um kurz vor halb zwei Uhr nachts.


Liebe Grüsse aus Costa Rica senden euch Annalena & Küsu mit Ronja und Joel.

Dienstag, 29. März 2016

Über den Wolken & Lianenschwingen im 8. Monat

Über den Wolken

Semana Santa - die heilige Woche, in der die Hauptstadt wie ausgestorben ist!
Die Woche vor Ostern wird hier heilige Woche genannt. Im Gegensatz zu Deutschland und zur Schweiz ist hier der Ostermontag kein Feiertag, dafür der Donnerstag vor Karfreitag (Jueves Santo).
Wer kann, nimmt die Arbeitstage der Woche frei und pilgert an den Strand, das ist auch der Grund, weshalb die Strände und die Nationalparks übervoll sind, die Hotels dort die Preise bis an die Schmerzgrenze hochschrauben und die Hauptstadt im Gegenzug wie verwaist wirkt und die Hotels hier grosszügige Rabatte bieten.

Auch unsere Sprachschule, das ILE (Instituto de Lengua Española) schloss die Tore und gewährte uns eine Verschnaufpause. Gemeinsam mit unseren im ILE kennengelernten Freunden, der Familie Bremer aus den USA, planten wir, in dieser Zeit die Finca zu besuchen. Die Bremers kurz erklärt:
  •  Mama Bremer, Laurie, war eine reiche, jüdische Anwaltstochter aus Los Angeles, die mit den Kindern etlicher Hollywood-Stars in eine Privatschule ging. Mittlerweile ist sie selbst Anwältin, Christin, Mutter von 5 Kindern, nicht mehr reich aber immerhin ungeschlagene Klassenbeste in unserer Klasse
  • Papa John war 20 jahre lang Kampfjet Pilot in der US Air Force (F15E Strike Eagle), hat Vorfahren aus Bremerhafen und wird in Zukunft für die SAM (South America Mission) in einer Cessna-206 in Bolivien unterwegs sein
  • Dann wären da noch die 5 tollen Kinder, deren Namen Küsu noch immer Kopfzerbrechen bereiten, deshalb nur so viel: 3 Mädels & 2 Jungen
Dass der Zivi-Küsu mit einem ehemaligen Kampfjet-Piloten befreundet ist fragt ihr euch? Er sich auch! Adios Stereotypen-Denken!

Und das sind sie, die Bremers

Aber weiter im Text: Die Reise von San José nach San Isidro del General dauert gute 3,5 Stunden, steigt auf beinahe 3500m.ü.M und ist für Reisekranke eher happige Kost. Schon beim letzten Schulausflug sind die Hälfte der Bremer Kids beim ersten Zwischenhalt neu eingekleidet ausgestiegen, die Kurven forderten einen vomitösen Tribut...
Da hier in Costa Rica eine Charter-Gesellschaft eine dieser Cessna-206 hat, John Flugstunden braucht und sich an die Spanische Funkkommunikation gewöhnen möchte, die Strecke San José-San Isidro mit dem Flugzeug nur 20 Minuten dauert und das Ganze auch noch viel weniger den Magen der Kinder strapaziert, wurden wir zu einer Flugreise eingeladen!

Das war herrlich, ein wirklich himmlisches Erlebnis. Lustigerweise hatten wir etwas Verzögerung, weil unsere Cessna auf dem Weg zur Rollbahn einen Platten hatte. Aufgrund Küsus "Körpermassen für Fortgeschrittene" und die Zuladungsgrenze auf 850 Pfund (=385kg) hätte John eigentlich zwei mal fliegen sollen, mit je einer Hälfte der munteren Reisegruppe. Mit der ganzen Verspätung wurde es aber zu knapp dafür und so konnten wir in einer etwas grösseren Piper Seneca II mit einem Piloten der Chartergesellschaft fliegen, während zeitgleich John mit der zweiten Cessna, die die Charterfirma besitzt, die andere Hälfte der Truppe beförderte. Annalena sass sogar auf dem Co-Piloten-Sitz!

  
Blick aus "unserer" Piper SENECA II über den Wolken, irgendwo über der Kordilleren Costa Ricas

 
mit Sichtkontakt zur Cessna 206

Abgeholt wurden wir in San Isidro von Ralph Matt, von dem Ronja in höchsten Massen Fan ist (und umgekehrt!).War insgesamt aber für alle ein schönes Wiedersehen.

Die knapp drei Tage mit den Bremers auf der Finca waren dann auch ausgefüllt mit Urwald-Trips, Angeln, Baden, Lagerfeuer mit Schokobananen, melken, etc. und wie im Flug vorbei! So brachten wir sie dann wieder zum Flugfeld und sie flogen von dannen...

Wir verbrachten dann noch ein paar erholsame Tage auf der Finca, Ronja durfte sogar in den Kindergarten, Annalena in den Nähunterricht und Küsu gab einen halben Tag Kurs bei den Mechanik-Studenten. Auch ein Ausflug auf die "Fila", den Hausberg der Finca, durfte nicht fehlen (siehe Bild links). Erstaunlicherweise hat Annalena von sich aus entschieden, hier nicht mitzukommen. Wäre wohl etwas anstrengend gewesen, was aber gleich zum nächsten Thema führt...



Spass beim Lagerfeuer-Abend am Ufer der schon fast ausgetrockneten Laguna...

 

Lianenschwingen im achten Schwangerschaftsmonat 

Im "Dschungel" der Finca steht ein gigantischer Ceibo-Baum. Gleich daneben hängen ein paar riesige Lianen, welche auch Erwachsene zum munteren Tarzan-Schwung einladen. Und wer konnte es nicht lassen hochschwanger an die Liane zu hängen? Eure Annalena! Hier der Beweis:



So schwanger wie jetzt, war Annalena übrigens noch nie! Das klingt zwar eigenartig, da Ronja ja auch im Bauch von Annalena heranwuchs, aber eben doch vier Wochen zu früh auf die Welt kam... Diesen Zeitpunkt haben wir jetzt überschritten und so befinden wir uns auch in diesem Bereich auf Neuland!

Die Finca voller Leben

Momentan läuft der erste Kurs auf der Finca. Das bedeutet, dass einige indigene Lehrer, teilweise mit ihren Familien, sowie Studenten von diversen Ethnien von Panama, Costa Rica und Nicaragua auf der Finca sind. Hier wird viel gelernt, viel gelacht, munter gesunge, zusammen Gottesdienst gefeiert, ... Für genau das sind wir hier!
Wir wollen uns voll und ganz investieren, ohne auszubrennen, aber mit stetiger Motivation!

Nun sind wir bereits wieder in San José in der Sprachschule und fragen uns, ob wir die Sprache wohl irgendwann wirklich, so richtig, richtig mühelos beherrschen werden - so Gott will, hoffentlich schon bald!

Mit den allerliebsten Grüssen,

Annalena & Küsu mit Ronja


Warum so seriös, kleine Ronja? Wink doch mal?!

 
Super! Jetzt noch lächeln?

 
Naja, fast ...

Donnerstag, 10. März 2016

Zirkusäffchen, Nicaragua und neue Visa

Seit mehr als acht Wochen sind wir nun richtige Sprachschüler! Momentan bereiten wir uns gerade intensiv für zwei Prüfungen dieser Woche vor, einen Vortrag und eine Grammatikprüfung. Die Sprachschule ist optimal auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten und gefällt uns sehr gut. Es ist jedoch viel anstrengender, als wir es uns gedacht hätten. Tagwache bei Mosimanns ist um etwa halb sechs Uhr morgens, um kurz vor sieben spazieren wir (in Annalenas Fall eher schon watscheln) los, bis zur Schule sind es etwas über einen Kilometer. Die ganze Stadt ist dann auf den Beinen und auf dem Sportplatz sind die Frauen schon fleissig am ZUMBA tanzen. Sobald sie die Musik hört oder die Leute sieht, wackelt Ronja im Tragerucksack fleissig mit, sie ist ganz generell sehr gut drauf, wenn sie von Vatis Rücken aus das Weltgeschehen beobachten kann.

Auch beliebt: Auf den Schultern reiten 

Oft grüsst sie auch freundliche alle uns entgegen kommenden Leute. Wenn wir an einer Gruppe cooler Jugendlicher vorbeilaufen, ruft sie einfach penetrant laut und freundlich „Hola“, grinst und winkt bis auch der coolste Typ zurück grüsst.

Auf der Post werden wir sogar schon bevorzugt behandelt, da die Kleine der Frau am Schalter fleissig Handküsse zuschickt. Wenn wir uns in die Schlange stellen um etwas abzuholen, das zu gross fürs Postfach ist, öffnet die Frau das Schiebefenster und reicht uns das Päckli. Klappt jedoch nur, wenn Ronja dabei ist, ansonsten kann Küsu noch so viele Luftküsse losschicken.

Ende Februar haben wir ein paar Tage in der Schule verpasst, da wir nach Nicaragua gereist sind.

Warum Nicaragua? 

 

Wer als europäischer Tourist nach Costa Rica reist, bekommt automatisch das Touristen-Visum, was nichts anderes ist als der Stempel im Pass. Für 90 Tage darf man sich dann legal im Land aufhalten. Wenn man das Land für 72 Stunden verlässt (hier bieten sich natürlich die Nachbarländer Nicaragua und Panama an, die auch relativ günstig mit Bussen erreichbar sind), kann man anschliessend erneut mit diesem 90 Tage gültigen Visum einreisen.

Ronja in Nicaragua mit einem Touristen aus Portugal, den sie erfolgreich bezirzt hat. Sie sitzt auf dem Stuhl seiner Freundin und wurde fleissig mit Keksen gefüttert!

Weshalb aber nun sind wir mit einem Touristen-Visum in Costa Rica, obwohl wir doch eine viel langfristigere Perspektive haben? Als Einwanderungsland bekommen im Land geborene Kinder automatisch die costa-ricanische Staatsbürgerschaft, wir werden also in ein paar Wochen ein Familienmitglied mit costa-ricanischem Pass haben. Das hilft dann uns Ausländern, dank unserem einheimischen Familienmitglied eine permanente Aufenthaltsbewilligung hier im Land zu bekommen.

Und so sieht es dann aus, wenn Vati die Kleine den berg hoch zum Hostel getragten hat, nach einem Tag Strand... Sie ist so ungluaublich in ihrem Element am Meer, dass sie prompt auf den Mittagsschlaf verzichtet!

Wir haben uns also in San José in den Bus gesetzt (7 Stunden…), sind gleich nach der Grenze ans Meer, haben Ronja zwei Tage im Sand spielen lassen und sind am dritten Tag in Nicaragua wieder in den Bus gestiegen (7 Stunden…). Mit Kleinkind & schwangerer Frau hätten wir das ja nicht gemacht, wenns denn nicht hätte sein müssen. Trotzdem muss ich (Küsu) hier meiner kleinen Tochter ein Kränzlein winden, sie hat die langweilige Busfahrt souverän gemeistert!

Reiterin spielen auf der Armlehne :-)


Wie es uns geht 

 

Wir fühlen uns wohl hier in der Hauptstadt und sind trotzdem froh, zwischendurch mal rauszukommen. Hier ist alles vergittert und mit wenig sympathischem NATO-Stacheldraht (die Art mit messerscharfen Klingen) umspannt. Trotz Grossstadt gibt es viele Möglichkeiten das Haus auch mal zu verlassen und für Ronja gibt es viele Spielplätze. Die Rutschbahnen haben zwar teilweise 100% Gefälle (45°!), nähen musste sie bisher jedoch noch nie (Gott sei dank!).

Küsu in der Grammatik-Klasse

Durch unsere fest verplanten Tage wird es uns auch nicht langweilig. Küsu ist ganz zufrieden und versucht tapfer, seine fest eingefressenen Spanischfehler (die Fossilien müssen in harter Arbeit rausgepickelt werden) zu korrigieren. Im Feedbackformular, das wir Mitte Trimester bekommen haben steht: „Er ist freundlich, aufmerksam und nie um einen spontanen Spruch verlegen“. In Lenguaje, der Klasse wo wir das in der Grammatik gelernte gleich 1:1 umsetzen, hat die Lehrerin schon Tränen gelacht infolge seiner lustigen Versprecher.

Annalena hält in der Konversations-Klasse einen Vortrag über natürliche Medizin in den Tropen 

Annalena geht es „den Umständen entsprechend“ gut mit der Schwangerschaft. Sie ist Küsu in der Grammatik steht’s einen Schritt voraus, dafür sprudelt ihm das Spanische flüssiger von der Zunge. Wir sind gespannt, ob Baby Nr. 2 es auch kaum erwarten kann endlich Licht zu sehen, oder ob es sich im Gegensatz zu seiner Schwester an den Termin hält.

Küsus müde Weibchen

Niemand hier kann verstehen, dass wir das Geschlecht nicht wissen wollen! Küsu entlastet seine Frau nach bestem Wissen und Gewissen, kocht, bäckt und cremt fleissig ihren Bauch ein. Weshalb allerdings alle Kleider Löcher haben seit dem er sich um die Wäsche kümmert, bleibt ein Rätsel…

Hier wir Ronja von Alan gefüttert, während sie schaukelt. DAS nenne ich erfolgreich um den Finger gewickelt! Anm. d. Red.: Die Eltern haben das nicht mitbekommen, da Ronja "nur schnell den Hund schauen wollte"...

Wir haben fantastische Nachbarn, bei denen wir unsere Spanischkenntnisse direkt anwenden können und liebevolle, teils belustigte Korrekturen bekommen. Ronja ruft morgens immer lautstark ihre Namen (Alan! Kattia! Alan! Kattia!) und darf auch jederzeit mit ihrem kleinen Hund spielen. Sogar alle Spielsachen der mittlerweile erwachsenen Töchter wurden wieder hervorgeholt. Und vom nachbar’schen Kinderschaukelstuhl ist sie nicht wegzukriegen!

Zirkusäffchen Ronja 

 

Ronja mit ihren blonden Haaren und dem sonnigen Gemüt verzaubert auch weiterhin (oder immer mehr) unsere Umgebung. Die Menschen hier freuen sich wie verrückt wenn Ronja ihnen „ ¡Hola!“ sagt, mit ihren kleinen Händchen winkt und hie und da einen Handkuss verteilt. Manchmal haben wir das Gefühl, dass unser Töchterchen hier fast als Allgemeingut betrachtet wird: Sie wird gestreichelt, jeder fasst ihr in die Haare, es werden Gruppenfotos gemacht…

Gut vorstellbar, dass es afrikanischen Kindern mit dunkler Haut und krausem Haar vor ein paar Jahrzehnten in Europa auch so ging (in die Haare fassen, Haut- und Augenfarbe bewundern, etc.)? Meistens macht sie das mit, geniesst es sogar, manchmal aber verweigert sie verständlicherweise auch diese Dienstleistung, worüber wir nicht ganz unglücklich sind.

Wildfremde Muchachas in Nicaragua, die von Ronja so begeistert waren, dass sie ein Gruppenfoto machen wollten (ewar sehr windig, deshalb schaut sie nach unten)

Wie ihr gemerkt habt, haben wir den Blog auf ein anderes Portal gewechselt. Wir freuen uns immer über Nachrichten von euch! In der Woche vor Ostern (Semana Santa -heilige Woche- nennst sich das hier) ist schulfrei und wir pilgern auf die Finca. Bestimmt können wir euch dann wieder mit interessanten Nachrichten füttern.

Wir grüssen euch ganz herzlich!

So sieht es übrigens aus, wenn Ronja 40° Fieber hat, aber trotzdem nichts verpassen will

Donnerstag, 21. Januar 2016

Feliz Año Nuevo!




Das heisst: Felix hat einen neuen Esel! Dank an Küsus Cousin Andi für diesen mittlerweile acht Jahre alten Knüllerspruch, den er ihm kurz nach Neujahr 2007 nach Costa Rica gesendet hat und bis heute jährlich für ein breites Grinsen sorgt. Natürlich heisst es eigentlich „Frohes neues Jahr!“ und das wünschen wir euch wirklich! Diese Zeilen schreiben wir bereits aus der Hauptstadt San José – aber schön der Reihe nach:
Die Finca
Bis zum zweiten Januar durften wir auf der Finca Unterschlupf finden und hatten das grosse Privileg, uns sogar bereits jetzt ein Haus zum späteren Bewohnen aussuchen zu dürfen. Dies zwar Aufgrund der prekären Mitarbeitersituation, was die Euphorie etwas trübt, aber trotzdem. Wir werden in Zukunft quasi im „Oberdorf“ wohnen, dem hinteren Teil des Finca-Dorfes. Primär durften wir die Zeit geniessen, versuchten aber doch so viel wie möglich mitzuhelfen. Auch sind wir viel mit Ronja rumspaziert und sie hat die Umwelt mit allen Sinnen wahrgenommen. Oftmals hat sie Tiere vor uns gesehen und wir wurden z.B. erst durch ihre „Piep! Piep! Piep!“-Rufe auf den einen oder anderen Vogel aufmerksam. Unsere Ronja liebt Tiere von ganzem Herzen und zeigt keinerlei Scheu, auch nicht vor Hunden. Und in Costa Rica gibt es sehr viele Hunde, vom Mini-Köterchen (Meerschweinchen-Grösse) bis zum Riesending (gross wie ein Kalb). So müssen wir oft regulierend eingreifen wenn Sie wieder auf einen „WauWauWauWau“ zustürmt.
Auf der Finca wurden wir von einer Katze adoptiert. Natürlich war Küsu an dieser Verbindung auch nicht ganz unschuldig, seine Anstrengungen die Katze von einem Baum zu retten wurden sehr geschätzt von dem hungrigen Tierchen, dass eigentlich im Stall Ratten jagen sollte, aber in etwa die gleiche Grösse wie ihre Beute aufwies. Das wäre zwar fair, war aber wohl nicht ganz so erfüllend. Die Katze ertrug sämtliche Liebkosungen von Ronja (auch die wirklich groben) und hat ihre Krallen nie eingesetzt, auch nicht, als Ronja die Katze als Kissen benutzt oder an den Ohren gezogen hat. Das Büsi blieb dann bei unserem Umzug auf der Finca…
Generell ist die Finca für Kinder ein Paradies! Natürlich machen sich die Eltern Sorgen um Gefahren wie Schlangen, offene Tore beim Zaun um die Laguna, fiese stechende Insekten, etc. Aber was kümmert die Kinder die Sorgen der Eltern?! Ronja öffnet hier wirklich die Herzen und schon so manch gutes Gespräch hat sich auf ihre Initiative hin ergeben.
Auch gefeiert wurde auf der Finca: Weihnachten mit allen, die auf der Finca leben und arbeiten, Weihnachten unter deutschsprachigen (weil alle spanischsprachigen weg waren), Weihnachten als erweiterte Familie mit den Kurzzeitern (es gab Kääässpätzle, unorthodox aber fein) sowie Silvester mit allen Kurz- und Langzeitmitarbeitern.
Landeier in der Stadt
Am 2. Januar dann ging es los mit beinahe allem unserem Gepäck von der Finca ins Gästehaus von Licht in Lateinamerika in San José. Ronja musste auf der Fahrt im Minibus über den „Cerro de la muerte“, den Todespass, mächtig erbrechen. So richtig „Alles muss raus“-Erbrechen. Nachher war es wieder gut und wir machten uns mit einem säuerlichen Geruch in der Nase wieder auf den Weg. Kurz vor der Ankunft kauften wir noch einen Plastikpool für die Kleine (in Embrionalstellung passt auch Küsu hinein) – die Pumpe haben wir aber leider vergessen. So plantschte Ronja schon kurz nach unserem Einzug fröhlich im Wasser, während Küsus Backenmuskulatur noch für eine hewisse Zeit etwas nachtragend war.
Am 4. Januar hat für uns die Sprachschule begonnen. Und da es erst einmal eine ganze Woche lang Infos gab und 95% der Schüler aus den USA oder Kanada kommen, fühlten wir uns auch sehr „americanized“. Infos wie „Kauft euch bitte, bitte keine Waffe hier“ waren wohl auch eher an unsere überaus freundlichen und warmherzigen nordamerikanischen Freunde gerichtet. Mittlerweile läuft aber die Sprachschule für uns drei. Genau, für uns drei!
Familienleben
Ronja besucht den Kinderhort „Rayitos de sol“, was Sonnenstrahlen bedeutet, in dem ausschliesslich Spanisch gesprochen und wirklich auch Wert darauf gelegt wird, die Kinder in der Sprache und Dingen wie Sozialkompetenz, Bewegung etc. zu fördern. So hat auch sie ihren Stundenplan. Wir Grossen können schon etwas Spanisch und müssen nicht ganz unten anfangen, sondern konnten im zweiten Trimester einsteigen, gemeinsam mit anderen, die auch schon etwas Spanisch sprechen. Jetzt füllen wir die Grammatik-Löcher und versuchen uns falsch benutzte Phrasen, Wörter und Ausdrücke abzugewöhnen oder umzulernen.
Wir wohnen ca. 15 Minuten von der Schule entfernt, das heisst wir laufen jeden Morgen um sieben los, bringen die Kleine in den Hort, haben dann selbst Schule und um kurz nach zwölf machen wir das alles wieder in umgekehrter Reihenfolge.
Wie sehr uns die Geburt von unserem zweiten Kind Ende April/ Anfang Mai aus dem Konzept bringen wird wissen wir nicht. Wenn es sich nach seiner Schwester richtet, könnte es auch früher kommen… Wir sind gespannt!
Uns geht es gut hier als Familie und wir wissen, dass das Erlernen der Sprache unentbehrlich ist, was uns Motivation für den Unterricht und die Hausaufgaben gibt.

PS: Eigentlich hätten wir den Blogeintrag schon so um den 17. Januar rum online stellen wollen – eine kurze, fiese, durchfallige, kötzelige Magen-Darm-Grippe hat das aber erfolgreich verhindert… Trotzdem viel Spass mit dem neuen Blog!

Montag, 20. Juli 2015

Neuer Rundbrief!

In den nächsten Tagen erscheint unser neuer Rundbrief, man wird ihn natürlich auch wieder von hier downloaden können, auch ein Kärtchen mit unserem Foto für eure Pinnwand ("Gebetskärtchen") ist in Arbeit.
Am kommenden Sonntag, dem 26. Juli 2015, findet in Holzgerlingen (Deutschland, Nähe Stuttgart) der LiL-Tag statt. Wir werden dort als Besucher sein und hoffenltich viele alte Bekannte und Freunde wieder treffen.
Der LiL-Tag in der Schweiz findet am 23.August statt (Achtung, das ist ein Samstag!) und zwar in Frauenfeld. Hier werden auch wir etwas Zeit auf der Bühne verbringen. Lass dich überraschen.